Bogensport für Anfänger

Ein frohes neues Jahr an meine Leser!

Heute berichte ich von meiner neu entdeckten Leidenschaft: dem klassischen Bogenschießen. Die Tribute von Panem lassen grüßen! ;o

Ich habe mich vor Weihnachten im hiesigen Schützenverein zum Anfängerkurs angemeldet und siehe da, ich war tatsächlich das einzige Mädel im Kurs. Zusammen mit einem Haufen von sehr netten Kerlen, die wie ich alle bei Null anfingen, fanden wir uns unter der fachmännischen Fuchtel von Klaus, einem Urgestein im Bogensport, wieder.

Recurvebogen "Antelope" (c) RAGIMDoch bevor man als Rookie überhaupt den ersten Bogen in die Hand nehmen kann, hageln zunächst satte 90 Minuten Theorie auf einen nieder: Sicherheitshinweise, die eigentlich so selbstverständlich klingen, die aber immer wieder beim Bogensport missachtet werden und zu Unfällen führen. Dabei sind nicht die anderen, sondern man sich selbst zunächst die größte Gefahr.  Wusstet ihr, dass man sich an einem bereits verschossenen Pfeil sehr leicht das Auge einstechen kann? Wenn man nämlich schnurstracks auf die Zielscheibe zuläuft, frontal, um seine geschossenen Pfeile zu ziehen dann kann es ganz leicht sein, das man sich so ein Ding mit der Nocke (Endpunkt am Pfeil, der auf die Sehne gesetzt wird) ins Auge rammt. Die Spitze ist nämlich frontal nur als minimaler Punkt zu sehen (häufigste Unfallursache beim Bogensport!). Stattdessen immer etwas schräg auf die Scheibe zulaufen und natürlich zwei Meter platz zum pfeilziehenden Kollegen behalten, damit dieser beim Ausholen nicht das nächste (lebende) Ziel trifft.

Etliche Sicherheitshinweise und das Herausfinden ob man nun Links- oder Rechtsschütze ist später, geht es an die Materie: Klaus zieht einen bebilderten Ordner hervor und präsentiert das Arsenal:

Welche Arten von Bögen (Recurve, Compound, Langbogen, Reiterbogen etc.) gibt es?

Bögen

 

Welche unterschiedlichen Pfeile (Carbon, Holz, Alu etc.) mit Echt- oder Kunststofffedern gibt es und was sind deren Flugeigenschaften?

Ganz wichtig auch: Woran erkenne ich einen defekten Pfeil? Das ist wichtig, um sich beim Abschuss nicht die Spitze oder splitternde Fasern davon in die Hand zu reißen (laut Klaus alles schon passiert… und Carbonfäden sieht man unter Röntgenbestrahlung nicht).

So ein Pfeilcheck soll im Idealfall nur zwei Sekunden dauern: man dreht den Pfeil zwischen den Fingern, zwirbelt ihn sozusagen und biegt ihn dabei leicht, um zu sehen, ob er irgendwo am Stamm gebrochen ist. Besonders der vordere und hintere Teil sind dafür anfällig. Außerdem kann die Spitze ‚auspilzen‘, das heißt, der Stamm läuft vorne nicht mehr glatt in die Metallspitze über, sondern die Ränder fransen aus, zum Beispiel durch einen Steintreffer.

Also nach dem Ziehen aus dem Köcher immer einen sorgfältigen Blick auf den Pfeil haben!

Recurvebogen 'Wildcat" (c) RAGIM

Recurvebogen ‚Wildcat“ (c) RAGIM

Das Herzstück: der Bogen! Wir sollten uns nach Einweisung unseren eigenen Recurve-Bogen für das Training zusammenbauen. So ein Anfänger-Recurve besteht klassisch aus drei Teilen: einem Griffstück in der Mitte und zwei Wurfarmen außen, die an das Mittelteil geschraubt werden.

Der Name „Recurve“ kommt von den gebogenen Enden der Wurfarme, die die Wurfkraft des Bogens wie eine Peitsche verstärken. Man braucht weniger Kraft und der Bogen hat mehr Pepp beim Schuss, wenn der Pfeil von der Sehne schnellt.
(Außerdem sieht der Recurve stylish aus…)

Also alle supermotiviert ihren Bogen zusammengeschraubt, Sehne aufgezogen, ohne dass der superempfindliche Bogen mit seinen Spitzen den Boden berühren darf und zack – Sehne falsch herum drauf. Also gleich noch einmal. Und dann versucht mal, als Anfänger 30lbs (Pfund) zu spannen… Ich zumindest habs nicht ganz geschafft.
Profis ziehen später sogar bis zu 50-70lbs aus und das bis zu 200 Mal während eines Turniers. Merke: Vom Bogenschießen kriegt man Muckis und ein gutes Training für Rücken und Schultern ist es auch.

Ich und die Jungs kriegen also Anfängerbögen mit rund 20lbs und gehen damit rüber in die Schießhalle. Dort stehen schon verschiedene Scheiben auf gut 20 Meter Entfernung – aber bevor wir uns überhaupt an die Grundstellung machen (seitwärts zum Ziel Stellen, Beine hüftbreit, Gewicht leicht nach vorne verlagert, Rumpf anspannen, Hüften leicht kippen, dann Bogen und Pfeil neben sich greifen, Kopf zur Scheibe, Bogen anheben… und… Stop!) – ist erstmal Trockenschwimmen angesagt.
Wir rudern also wie wild mit den Armen, strecken und recken uns um die Muskulatur aufzuwärmen und die Sehnen (nicht die vom Bogen, aber die eigenen) zu dehnen.

… wie wichtig das Aufwärmen und das Nicht-Verkrampfen beim Schießen ist, merke ich zwei Tage später nach der letzten Kurseinheit: Diagnos TENNISARM und musste für vier Wochen einen Druckverband tragen. Und das im linken Arm, womit ich den Bogen halte! Also, es nicht übertreiben.. sonst kann man den anderen beim nächsten Mal nur beim Schießen zusehen und das macht gar keinen Spaß. 😦

Trotz allem macht das Bogenschießen süchtig, (nicht zuletzt, weil ich mich immer noch amüsiere, dass mein allererster Pfeil direkt mittig ins Schwarze getroffen hat und die Herren darauf kein Wort mehr gesagt haben).

Sobald man seine ersten Stunden hatte und angefixt ist, will man auch seinen eigenen Bogen haben. Ist wie beim Auto. Oder der Salatschleuder…
Also habe ich Stunden im Internet verbracht und die verschiedenen Marken (Ragim, SAMICK, Yamaha, usw.) und Modelle von Bögen gegeneinander abgewogen. Und das Auge schießt natürlich auch mit.

Ich sage es gleich, mir gefallen die zusammenbaubaren Recurvs nicht besonders. Für Anfänger sind sie zwar sehr praktisch, weil man die Wurfarme nach Bedarf gegen stärkere austauschen kann und der Bogen so mit einem mitwächst, aber ich habe mich so in die einteiligen Recurvebogen verliebt – ich wusste, ich wollte so einen haben.
Entweder den Fox Custom oder den Brown Bear von Ragim (wobei, eher Letzterer. Ich meine, ist er nicht eine Schönheit <3).

Recurvebogen 'Brown Bear" (c) RAGIM

Recurvebogen ‚Brown Bear“ (c) RAGIM

… aber irgendwie, weil die Bögen dann gegen Weihnachten einen Run hatten und mit 25lbs Zuggewicht in der Klasse bald ausverkauft waren) habe ich dann doch mein Weihnachtsgeld gespart und stattdessen den nächsten Kurs bei Klaus gebucht. Einen Bogen kann ich mir immer noch holen, wenn ich dann die Muckis dafür habe!

Alles in allem kann ich den Bogensport nur weiterempfehlen! Haltung, Konzentration, Sorgfältigkeit, Fitness und Muskeln, von denen ihr nicht mal wusstet, dass es sie gibt, werden trainiert und Spaß macht es, auch wenn der Pfeil von der Sehne zischt und man – tatsächlich – irgendwas trifft, was man auch treffen wollte.

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Ein Gedanke zu „Bogensport für Anfänger

  1. Van Lure sagt:

    Ich schieße zb. den Black Bear von Ragim, mit 30#
    Angefangen habe ich aber mit 24# und habe mich dann an einem Take Downmodell nach oben gearbeitet bis ich den Black Bear spannen konnte 😉

    Lg, Sarah

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