Nachts im Museum…

Der Run auf die Kunst, oder: Wie man Käthe Kollwitz, Wallraff und angewandte Kunst in einer Tour ‚abfrühstückt‘.

01_MN14_Keyvisuallogo Samstagabend 19 Uhr, am Neumarkt in Köln. Wir stehen in der Schlange für die Abendkasse der Kölner Museumsnacht und die Stimmung ist gut. 20 000 Menschen wurden auch dieses Jahr wieder erwartet und Museumsgänger sind insgesamt ein sehr angenehmes Völkchen. 46 Stationen gibt es insgesamt, aufgeteilt auf fünf Touren… eigentlich in acht Stunden kaum zu schaffen, wenn man die Museen nicht im Laufschritt durchqueren will.

„Bevor wir den ersten Shuttlebus nehmen, können wir von hier fußläufig zur Glocke und Käthe Kollwitz, dann ist das schon mal abgefrühstückt“, ereifert sich ein junger Mann in einer Gruppe von fünf Leuten hinter uns. Manche scheinen diese kulturelle Nacht wirklich als Run auf die Kunst zu sehen… 

Im Vorfeld hatte ich mir den achtzigseitigen Infoflyer eigentlich ausdrucken wollen, aber den bekommt man hier zu seiner ‚Provianttüte‘ gleich dabei. Puh. Mit ein wenig Planung sollte man in den rund acht Stunden doch alles sehen können, was man gerne möchte. Ich wollte gerne zwei der insgesamt fünf Touren machen, die Klangkünstlerin Echo Ho mit ihrer Soundperformance im Ostasiatischen Museum sehen, im Odysseum, dem Abenteuermuseum mitmachen und Uli Grewe bei seinem Comedyprogramm um 23 Uhr im Kölnischen Stadtmuseum sehen. Tja hat nicht wirklich geklappt, für einen entspannten Abend sollte man sich vielleicht doch lieber für eine Tour entscheiden und diese ausgiebig genießen!

Kaum mit Armbändchen und Provianttüte eingedeckt wagen wir uns an die West-Tour. Die Shuttle-Busse fahren im 15-Minuten Takt, nur in eine Richtung, zur Not kann man aber auch in die nächste U-Bahn springen und zum Neumarkt zurückfahren.

Manche Busfahrer zeigen sich motivierter als andere, nennen Station und geben einem auch eine großzügige Chance, nach Wunsch ein- und auszusteigen. Während andere darauf zu bauen scheinen, dass die Fahrgäste mitzählen und an ihrer Wunschstation rausspringen. So ging uns leider eine Station durch die Lappen. Stattdessen landen wir nach dem Ostasiatischen Museum mit seinen imposanten Skulpturen und witzigen Manga-Tusche-Zeichnungen im ecosign-Haus:   Hier geht’s um Nachhaltigkeit und schrille Kunst von jungen Design-Studenten. Ganz mein Fall. Wir sehen Zeichnungen, Möbel und Erfindungen die das Leben besser machen sollen: Wie zum Beispiel der Pfandring für Mülleimer, der Sammlern das Leben erleichtern soll.

Ich bleibe einen Moment vor dem ‚Buch dass zu nichts führt‘ stehen und sinniere, warum ich letztlich nicht doch Philosophie oder Design studiert habe – dann ist der Moment verflogen und wir folgen den loungigen Klängen hoch in das kleine Café im ersten Stock. Mit den blauen Lichtelementen wirkt die Lokalität wirklich gemütlich, nur geht durch die Laufkundschaft leider ein wenig der Charme verloren. Aber gut. Sicher ein Ort, an den man sich später gut zurückziehen kann.

07_MN13_BusShuttleRaus aus dem Haus der Kunst und wir spielen wieder „Wann kommt der Bus?“ Da es keine Timetables an den Ersatzhaltestellen für den Shuttle gibt, kann man sich nur vage an der Anzahl der schon wartenden Personenschar orientieren – oder hektisch die Zigarette ausmachen und über die Straße hasten, wenn der Bus doch plötzlich früher als gedacht anrollt (so wie in unserem Fall).

Weiter geht’s zum Museum für verwandte Kunst. Richtig, verwandte Kunst. Hihi.

Auf den ersten Blick ist an der nächsten Station davon allerdings weit und breit nichts zu sehen. Wir steigen am Friesenplatz aus und werden von ein paar Leuten aufgefordert, der weißen Maus zu folgen. So ein bisschen wie Alice im Wunderland, oder? Gemeint waren Sprühbilder auf dem Boden, die den Besucher mit Pfeilen von der Bushalte bis zum ziemlich abgelegenen Museum für verwandte Kunst (Genter Str. 6) leiten sollen. Vorbei an Kneipen und Studentenpartys. Fast erwischt mich ein Fahrrad, da ich konzentriert auf den Boden fixiert bin.

„Klein aber oho“, sagt der Infoflyer und das trifft auf diese Station auch zu. Mit dem Flair einer Studentenkneipe gibt es im Museum der verwandten Kunst buntes Besteckt, Sprühgraffiti und Kunst zum Mitmachen zu entdecken. Lohnt sich für junge Leute allemal. Auch die ‚Bananenart‘ ist irgendwie klasse…

22_KAT18_Jim_AvignonDanach ging es mit der U-Bahn erst mal zum Hauptbahnhof, denn hier kann man einige Stationen wie Domgrabung und WDR SoundART fußläufig erreichen. Es zieht eisig auf der Domplatte und wir hasten ein paar Leuten hinterher, die die Treppen zum Domgraben hinabsteigen. Die alten Gewölbe sind wirklich erstaunlich, wenn man Gesteinsgräben, uralte Bauwerke und Architektur mag. Das Ausmaß des Monuments ist gewaltig, vor allem wenn man sich vorstellt, dass der Dom noch 30 Meter über einem aufragt.

Bei der WDR SoundART waren wir danach nur kurz, Menschenmengen lassen einen hier ziemlich lange anstehen, wogegen aufkommende Müdigkeit und die übrigen Station ein gutes Gegenargument waren. Na gut, und bei einem Hörspiel mitzuwirken hatte ich jetzt auch wirklich nicht so Lust.

Wir fahren mit der U-Bahn also wieder zum Neumarkt und beginnen die zweite Shuttle-Tour. An dieser Stelle sei gesagt: Unterwegs bleibt keine Zeit, etwas zu essen und man ist sehr viel auf den Beinen unterwegs. Spätestens jetzt denke ich mir, wäre das Konzept wesentlich angenehmer wenn man den ganzen Tag Zeit hätte und nicht erst den Abend und die frühe Nacht. Der ‚Tag der Museen‘ hätte auf jeden Fall mein Votum. Nächste mal also besser vorher ordentlich essen!

Diesmal nehmen wir die Süd-Tour und steigen an der zweiten Station aus: Kunsthochschule für Medien/Centrum für Schwule Geschichte. Kaum einer macht sich (oh Wunder) zum zweiten Punkt auf – als steuern wir erst mal schnurstracks dort hin und landen in der Gay-Meile in der Pipinstraße. Alles so schön bunt hier! Direkt über einem lebhaften Cafe mit Herren only sehen wir Menschen bedächtig umher schreiten und auch der Flyer verrät, dass sich diese Attraktion im Obergeschoss des Barcelon Colonia (Pipinstr. 3) befindet. Natürlich sehen wir den dezenten Nebeneingang zur Lokalität nicht und laufen stattdessen einmal durch das gesamte Etablissement – und werden von den Herren dort etwas argwöhnisch gemustert. Ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen, und erst recht nicht, als der Herr zum Treppenaufgang rot anläuft und uns hektisch durchwinkt, weil er sich gerade in Gesellschaft befindet.

17_Quartier_am_HafenDie Ausstellung im Obergeschoss ist schon ein ziemlicher Kontrast zur Bar darunter: Zu schunkeligen Klängen eines Grammophons begleitet eine Männerstimme die Ausstellung „30 Jahre CSG“. Witzige Karikaturen, Ausgaben der Bravo aus den 60er Jahren und Lebensgeschichten von Männern und Frauen aus der Queer-Bewegung in Köln gibt es hier. Ein kurzweiliger Querschnitt durch die Queerszene der zum Verweilen einlädt. Die Atmosphäre ist freundlich und hat einen gewissen Anspruch, kann ich nur empfehlen!

Von der Pipinstraße läuft man ungefähr zehn Minuten zum Schokoladenmuseum am Rhein, was natürlich bei einer Nacht der Museen nicht fehlen darf. Inzwischen ist es bereits Mitternacht und zur Müdigkeit gesellen sich schwere Füße. Trotzdem sind, als wir dort ankommen, das Museum und der angrenzende Shop und die Bar gut besucht.

Zum Schokomuseum selber muss ich wohl nicht viel sagen, ein Besuch lohnt sich und im Raum der Verkostung konnten wir ein riesiges Schokoladenhaus bestaunen. Der Schrein der Drei Könige besteht gänzlich aus Schokolade und Fruchtgummi-Elementen, Monumente und Dekor eingeschlossen. Ich hätte so gerne einmal abgebissen…

Und das war dann auch das Ende unserer Tour gegen ein Uhr. Ich wollte zwar noch etwas mehr sehen, aber die Eindrücke sind doch erschlagend für eine erste Museumsnacht. So haben wir uns im Shop stattdessen eine sündhaft teure wundervolle Pralinenschokolade mit Matcha zu 5,90 Euro gegönnt.

Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!

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